PM 09/2021 Debatte um Flohmarkt-Standort daneben und polemisch

Die Artikel in der Saarbrücker Zeitung vom 16. und 18.08.2021 sorgten für große Aufregung unter Flohmarkt-Standbetreibenden und Kaufwilligen. Dort wurde mit dem Flohmarkt-Standort Bürgerpark abgerechnet: Unter Anderem hieß es reißerisch: „Ein Reinfall hoch drei!“ und wurde die Frage nach „dem Ende der Trödelkultur“ aufgeworfen. Viele forderten die Rückkehr des Marktes an die Schlossmauer.

Auch unter den Mitgliedern der Bürgerpark-Initiative ist der Standort umstritten. Die Gegenstimmen argumentieren mit ökologischen Gründen (Autoverkehr in einem Park stören Flora und Fauna) und befürchteten zusätzliche Verschmutzung und ein Verkehrschaos. Auch wenn der ökologische Aspekt kaum von der Hand zu weisen ist, vertreten die Befürworter die Ansicht, dass eine achtmalige Nutzung des Parks im Jahr vertretbar ist. Zudem haben sich die schlimmen Befürchtungen nicht erfüllt: Im Gegensatz zum alten Standort wurde im Bürgerpark überhaupt kein Müll hinterlassen. Auch das Verkehrschaos blieb auf Grund der guten Städtischen Oranisationg aus.

Das größte Manko dieses ersten diesjährigen Saarbrücker Flohmarkts war vor Allem die schlechte Bewerbung durch die Stadt. So wurde das Ereignis erst zwei Wochen vor dessen Termin bekannt gegeben, so dass sich selbst am Veranstaltungstag viele fragten: Findet der Flohmarkt nun statt? Im Gegensatz zu früher wird dieser Flohmarkt auch heute noch nicht in den sozialen Medien durch die Stadt beworben. Genervt waren auch viele Beteiligten durch die fragwürdige Maskenpflicht in der „freien Natur“. Das mögen Gründe gewesen sein, warum der erste Flohmarkt nicht so gut besucht war. Ab 13 Uhr blieben potentielle Kaufende aus.

Keineswegs kann aber von einem Fehlstart und dem Ende der Trödelkultur gesprochen werden. Die Standplätze waren ausgebucht. Und der Standort ist entwicklungsfähig.
Vom überwiegenden Teil der Händlerinnen und Händler kam dennoch ein positives Echo. Gelobt wurden vor Allem die Möglichkeit der vorherigen Standbuchung, was ein Vortags notwendiges Besetzen des Standes überflüssig macht, was Handelnden von Außerhalb erleichtert, am Flohmarkt teilzunehmen. Der Markt gewinnt so an Vielfältigkeit. Ebenso gut bewertet wurde die gute Organisation der LHS Saarbrücken. Beim Einlass der Fahrzeuge gab es zwar einen Rückstau, der war aber gering und die Abfertigung verlief schnell, so dass den Händlerinnen und Händlern genügend Zeit zu Aufbau der Stände blieb.
Das Argument, dass der Flohmarkt im Bürgerpark vor rund 30 Jahren ein Flop war, kann heute nicht mehr gelten. Saarbrücken hat sich weiterentwickelt. Gerade in den letzten 30 Jahren hat sich das Viertel vom Hauptbahnhof hin ins Untere Malstatt stark gemausert. Das Zentrum von Saarbrücken hat sich hin zum Europabahnhof verschoben. Heute ist der Standort im Bürgerpark im Zentrum der Stadt. Die Forderung, der Flohmarkt müsse wieder an die Schlossmauer zurück, ist vor dem Hintergrund der Sanierungsarbeiten der Alten Brücke nicht nachvollziehbar. Denn dorthin wird er in absehbarer Zeit nicht wieder hinziehen. Allenfalls könnte er in die Franz-Josef-Röder-Straße zurückziehen, angefangen von der Spicherer-Berg-Straße hin zur Bismarckbrücke. Doch mit dieser Standortverschiebung hatte der Flohmarkt schon damals an Attraktivität eingebüßt. Demgegenüber bietet der Bürgerpark als neuer Standort mittlerweile mehr Möglichkeiten. Noch ist er wegen der Corona-Vorsichtsmaßnahmen in seinem Areal zu sehr beschränkt. Doch der Platz ist erweiterbar und viel schöner, - kein in die Länge gezogener Schlauch, kein Autobahnlärm, im idyllischem Grün. Vom Europabahnhof ist der Flohmarkt in 5 Minuten zu Fuß erreichbar. Für Anreisende von Außerhalb stehen rund um den Bürgerpark im Gegensatz zum alten Standort jede Menge Parkflächen zur Verfügung. Der Markt ist auch über die Westspange sehr gut zu erreichen. Zu guter Letzt wird sich der Bürgerpark als besserer Standort erweisen, wenn das Neue Messe- und Kongresswesen der LHS Saarbrücken umgesetzt ist.

Der Bürgerpark als neuer Standort des Flohmarktes Saarbrücken bedeutet nicht das Ende der Trödelkultur. Im Gegenteil: Hier bricht eine neue Ära an.